Seppi (links) und Fabi vereinten im Immendinger Brennerhof Jazz und Humoristisches.(Foto: Valerie Gerards)
Seppi (links) und Fabi vereinten im Immendinger Brennerhof Jazz und Humoristisches.(Foto: Valerie Gerards)

Seppi und Fabi jazzen über FKK und Hartz IV

Von Valerie Gerards

(IMMENDINGEN/sz)

Musik macht sexy, keine Frage: Das wissen auch Seppi und Fabi von „Man(n) singt Deutsch!“, die am Freitagabend mit vielen neuen Stücken im Immendinger Brennerhof aufgetreten sind.

 

Die beiden Jazzmusiker aus Villingen-Schwenningen, Sebastian Schnitzer und Fabian Huger, verraten jedenfalls ganz nonchalant, wie einfach man als Musiker Frauen herumkriegt, jazzen eine Nummer über FKK und lassen sich schlagervertont über Schönheitsoperationen aus – mit dem Fazit: Hauptsache echt. Überhaupt dreht sich thematisch viel um die Region unterhalb des Bauchnabels. „Ganz zentral da traf er mich, meine Männlichkeit, sie wich“, besingt das Duo die Begegnung mit einem eifersüchtigen Ehemann.

Aber auch das Lied über Hartz IV stößt bei den Gästen auf Begeisterung. „In Mannheim an der Tafel kam es nicht so gut an, aber hier schon“, witzelt Seppi. Dann setzt er sich mit dem Akkordeon rittlings auf die gemauerte Abtrennung im Lokal und singt die Sauerkraut-Polka – das kleine Publikum reißt es richtig mit. Schön intim ist es hier, stellt Seppi am Keyboard fest, als sich einige Gäste recht undiszipliniert ins Programm einmischen.

Das Duo nimmt die Unterbrechungen gelassen, schließlich besteht das Programm zu 90 Prozent aus Improvisation und Situationskomik. „Wir haben hier viel mehr Kontakt als sonst zu den Zuschauern“, sagt Gitarrist Fabian Huger, „nur zwei Meter Abstand anstatt 20 Meter“. Den beiden Jazzmusikern gefällt die Atmosphäre im Brennerhof, „wie im Wohnzimmer, total gemütlich“. Die Zuschauer können hautnah erleben, wie Seppi in die Tasten haut und dabei improvisiert und dichtet. Fabi erntet begeisterten Beifall für seine Gitarrenriffs.

Nur ein Dutzend Besucher sind gekommen – zu kurzfristige Absagen im ausverkauften Haus haben die Besucherzahl halbiert. „Bei der nächsten Veranstaltung wird es eine Nachrückerliste geben, es gab nämlich viel mehr Interessenten, als wir Plätze anbieten konnten“, bedauert Gastgeber Klaus Kiefer. Am 1. April wird „Man(n) singt Deutsch!“ erneut im Brennerhof auftreten – zum Glück für diejenigen, die dieses Mal keinen Platz mehr ergattern konnten.

(Schwäbische Zeitung, Gränzbote 28.November 2010)